Christlicher Glaube und Pluralität in reformierter
Perspektive (Mai 2024)
Zwei Mal habe ich das ganze durchgelesen (plus das Zusatzdokument Praxispapier Pluralität) – und mir meine Gedanken dazu gemacht. Ich gehe hier kurz auf zwei Punkte ein, die mir Mühe machen:
23.(b) Christenmenschen glauben, dass Gott sich in Jesus Christus ganz und ohne Vorbehalt offenbart hat und es deshalb keine Wahrheit über Gott und die Welt abseits von Christus gibt.
Das glaube ich nicht. Bin ich somit kein „Christenmensch“? Ich glaube aufgrund meines persönlichen Lebensweges, dass sowohl der Christus wie auch der Buddha „die Wahrheit“ erkannt und gelebt und – auf ihre je ganz unterschiedliche Weise – auf sie hingewiesen haben. „Die Wahrheit über Gott und die Welt“ kann einem Menschen also durchaus „abseits von Christus“ (ebenso selbstverständlich auch „abseits von Buddha“) offenbar und von ihm gelebt werden.
Dies impliziert keineswegs, dass Christenmenschen und christliche Kirchen über eine absolute religiöse Wahrheit verfügen würden. Im Gegenteil, dass die Wahrheit allein bei Christus ist, relativiert alle menschlichen Absolutheits-ansprüche und leitet dazu an, Wahrheit nicht als Besitz einer Gruppe in Anspruch zu nehmen, sondern als Geschenk zu erhoffen, das Gott für alle bereithält.
Ein eklatanter Widerspruch: Es ist allein die „Gruppe der Christenmenschen“ die Christus als die alleinige Wahrheit proklamiert, sie also „exklusiv besitzt“. Der Buddhist (beispielsweise) braucht Christus nicht, er kommt ohne ihn zur „Realisation der Wahrheit“. Laut der vorliegenden Broschüre muss also ein Mensch, der an die „Wahrheit abseits von Christus“ glaubt, dem Irrtum (oder Schlimmerem…) verfallen sein, und es bleibt nur zu hoffen, dass er diesen Irrtum eines Tages einsieht und den Christus, das „Geschenk, das Gott für alle bereithält“ annimmt…
24. Christenmenschen sind auch vorsichtig mit vorschnellen Behauptungen über eine wie auch immer beschaffene Einheit der Religionen. Dies gilt sowohl für die verbreitete Auffassung, dass doch «alle an denselben Gott glauben» würden, als auch für religionsphilosophische Entwürfe wie die pluralistische Theologie der Religionen. In beiden Fällen wird den real existierenden Religionen von aussen ein Einheitsmodell übergestülpt, statt aus den unter-schiedlichen Perspektiven nach Gemeinsamem und Verbindendem zu suchen.
Im Praxispapier Pluralität lese ich die folgenden positiven Aussagen, die mich ermutigen:
Unter „Gottesdienste“:- Die Vielfalt der Religionen und Weltanschauungen kann auch in der Musik thematisiert werden.Unter „Bildungsangebote“:- Beleuchten Sie in Ihren Bildungsangeboten Themen wie Schöpfung, Gebet, Tod und Jenseits auch aus einer ökumenischen und interreligiösen Perspektive.- Nehmen Sie in Ihrer Bildungsarbeit Ökumene und Interreligiosität als eigene Themen auf.
Ja, dies ist meine Herausforderung und auch das, was ich beitragen kann in unserer Reformierten Kirche.
UK