Lieder (Texte siehe Besinnungslieder):
Glaubensbekenntnis
Brueder Franziskus
Chrischtus u Buddha
Die ältesten Quellen führen religio zurück auf das Verb relegere, "bedenken, achtgeben, beachten", in diesem Sinn wurde es auch im Latein der Römischen Republik benutzt. Etwa 350 Jahre später bezog der christliche Kirchenvater Lactantius religio auf das Verb religare, "anbinden, zurückbinden". Religion kann in diesem Sinne verstanden werden als "achtsame Anbindung" an eine zeitlose (anfangs- und endlose) Dimension.
Ohne Anfang und ohne Ende ist im christlichen Verständnis "Gott", im buddhistischen Verständnis "Nirvana". Wer sich nicht ausschliesslich mit seiner individuellen, zeitlichen Existenz identifiziert, sondern sich auf ein "Ewiges" ausrichtet - d.h. vom "Ewigen" her und auf dieses hin lebt - gilt als ein "religiöser Mensch". Als ein Leben "in der Welt, doch nicht von der Welt" hat Christus ein solches Leben benannt.
Die Realisation dieser "Ewigkeit" (Bibel) oder "Todlosigkeit" (Palikanon) findet in dieser zeitlichen Existenz statt und ist nicht erst ein "nachtodliches" Geschehen: "Das Reich Gottes ist inwendig in euch", sagt Christus, und Buddha nennt das konkrete Erlöschen von Gier, Hass und Verblendung in einem Menschen das "sichtbare Nirvana" (s. auch: Höchstes Dasein & Reich Gottes).
Als erste Bedingung für das Erleben des Reiches Gottes in mir fordert Christus die "Selbstverleugnung", und Buddha vollzieht und lehrt diese in radikaler Weise in Form seiner "Nicht-Ich" (anatta-) Lehre. Die Egozentriertheit überwinden und loslassen. Einsehen, dass "Ich" nicht das autonome, unabhängige Zentrum der Existenz bin, das ist der Anfang der "Selbstverleugnung" und der "Nicht-Ich-Einsicht", damit beginnt das "Erwachen" aus dem Traum selbstbezogener Illusion und Verblendung.
Wo das "Ich" kleiner wird, kann das "Du" Raum gewinnen: "Nicht was ich will, was Du willst", sagt Christus in - und trotz - aller Bedrängnis in Getsehmane zu seinem "Vater", dem "ewigen Du" (Martin Buber). Wo das Du Raum gewinnt, sei es das ewige göttliche oder ein zeitliches menschliches, da ist Liebe, da ist die Gier und Hass überwindende wahre, "göttliche" Liebe.
"Wer liebt, ist aus Gott geboren und kennt Gott", schreibt der Apostel Johannes. Er erlebt das "Reich Gottes in sich", denn, wie Paulus sagt: "Das Reich Gottes besteht nicht in Worten, sondern in Kraft", und die Kraft Gottes, ja er selber, ist - wie Johannes auch sagt - die Liebe. Und eben diese göttliche Liebe ist "stärker als der Tod". Deshalb kann das "Reich Gottes in mir" das Ende meiner zeitlichen Existenz überdauern.
Ebendies lehrt auch der Buddha als das Ergebnis authentisch gelebter gierfreier und hassloser Liebe (metta): Wer in dieser Liebe lebt, weilt im "Brahmahimmel", in einem "göttlichen Bewusstseinszustand" (brahma-vihara), also im "Reich Gottes" ("Brahma" ist der Name des Schöpfergottes in den indischen Religionen). Er wird die irdische Existenz überdauern und nicht mehr zu dieser zurückkehren (nicht mehr in diese leid- und todunterworfene Welt "wiedergeboren" werden).
Die Ichzentriertheit (den Egoismus, die Selbstsucht) durch die Orientierung auf das Du überwinden (Paulus: "Überwinde das Böse durch das Gute") und durch die Kraft der göttlichen Liebe (Agape; buddhistisch: metta) Gier und Hass im eigenen Herzen erlöschen lassen, das ist das Wirken von "Religion", das ist Kennzeichen eines "religiösen Menschen" im besten und wahren Sinn des Wortes.
Und so hätte wohl eine Begegnung der zwei im vorliegenden Text erwähnten "wahren Menschen" - dem "Gesalbten" (Christus) und dem "Erwachten" (Buddha) - ausgesehen:
nicht gibts eine zweite.
(Buddha)
Ihr werdet die Wahrheit erkennen,
und die Wahrheit wird euch frei machen.
(Christus)
...und so könnten Nichterkennen der Wahrheit,
Unfreiheit und Gefangenschaft aussehen:
Lieder (Texte siehe Besinnungslieder):
Liebi (II)
I weiss itz wär Liebi isch
Liebi (I)

