Donnerstag, 1. Januar 2026

Zeit

 
 
Lieder 1 & 2:

ICH BIN
 
Ewigkind
 
Begegnung: "Zeit"

Dazu ein Gedicht aus meinem Lyrik-Band "Suriya Namaskar - Sonnengruss":

 
Für philosophisch Interessierte zitiere ich ein paar Aussagen aus dem Buch "Abhidhamma-Studien - Die buddhistische Erforschung des Bewusstseins und der Zeit" von Nyanaponika.

Im Buch werden fünf Bedeutungen von "Zeit" unterschieden, ich gehe hier nur kurz auf die beiden von mir im obigen Gedicht mit den (griechischen) Begriffen KAIROS und CHRONOS benannten ein. Die erste buddhistische Bedeutung entspricht also dem Begriff "Chronos". Dieser bezeichnet die chronologische Zeit, die "Dauer" eines Ereignisses (das einen Anfang und ein Ende hat): 

"... Wir können nicht das angeben, was man absolute Zeitpunkte nennen kann, sondern nur Zeitpunkte, die durch Ereignisse bestimmt werden. Wir können nicht auf die Zeit selbst zeigen, sondern nur auf ein Ereignis, das zu dieser Zeit geschah." (Bertrand Russel) 

"Chronologische Zeit, die durch dieses oder jenes Ereignis gekennzeichnet wird, ist nur ein konventioneller Ausdruck. Da sie keine eigene Realität hat (d.h., dass sie in der Realität nicht gefunden werden kann), muss man sie als reines Konzept verstehen." (aus einem Kommentar zum Dhammasangani)

Der von mir im Gedicht verwendete Begriff KAIROS wird buddhistisch "khana" genannt,  Nyanaponika schreibt dazu: 

"Der rechte Moment (khana) bezieht sich nur auf das heilsame Bewusstsein. Er bedeutet die rechte Gelegenheit für weitere heilsame Aktivitäten, für die der gegenwärtige heilsame Bewusstseinsmoment sie befähigt, sie zu induzieren, zu unterstützen und deren Startpunkt er ist. Ob dieser 'rechte Moment' richtig genutzt wird, hängt von der Bewusstheit dieser Gelegenheit ab; wenn diese Bewusstheit abwesend ist, gehen die dem Moment innewohnenden Möglichkeiten verloren."
 
Für uns sind folgende grundsätzliche Aussagen zur Zeit ganz konkret erlebbar:

"Im Allgemeinen kann Zeit nur als bewusstes Erfahren von ihr begriffen werden. Dieser subjektive oder besser psychologische Charakter der Zeit wird besonders deutlich, wenn die Zeit entweder sehr langsam oder sehr schnell zu vergehen scheint: langsam in einem geistigen Zustand von Langeweile oder Erwartung, schnell bei interessanter Aktivität oder meditativer Vertiefung."  

Anlässlich meiner ersten Teilnahme an einem intensiven Meditationsretreat (1981) hatte ich so ein Erlebnis mit extrem intensivierter Zeitwahrnehmung. In meiner spirituellen Autobiografie "Die Schwelle" beschreibe ich dies so: 

"Da war zuerst eine Wahrnehmung - ich hatte die Augen so halb offen - das war eine lustige Wahrnehmung, die ist mir eingefahren: Da kam eine Fliege in mein Gesichtsfeld, von der rechten Seite her, und ich habe da zugeschaut. Ich konnte die Flügelschläge sehen! Also, die ist vorbeigeflogen, wie wenn ich einen Film in Zeitlupe gesehen hätte. Ich habe das Gefühl gehabt, das habe mehrere Minuten gedauert, bis sie dann aus meinem Wahrnehmungs-bereich, meinem Blickfeld, auf der linken Seite verschwunden ist. Das war irgendwie lustig, und auch seltsam."

"Andere Beispiele des entscheidenden Einflusses des psychologischen Faktors bei der Zeiterfahrung ist die Zeitkontraktion in Träumen als auch der blitzartige Rückblick auf das gesamte Leben, wenn man dem Tod gegenübersteht. 
Es ist auch klar erkennbar, dass es eine unterschiedliche Zeiterfahrung und Zeitbewertung im Leben einer Eintagsfliege, eines Hundes, eines Menschen und einer zweihundert Jahre alten Schildkröte gibt. Für ein Insektenleben, das nur einen Tag währt, wird der Morgen, der Mittag und der Abend eines Tages dieselbe Signifikanz haben wie die Kindheit, die Reifephase und das Alter für uns. 
Jede Kreatur wird am Ende ihrer Lebensspanne fühlen, dass sie ein volles Leben gelebt hat, unabhängig von der Zahl der hypothetisch 'objektiven' Zeiteinheiten. William James sagt:

Wir haben allen Grund anzunehmen, dass die Lebewesen vermutlich enorm in der Dauer, die sie intuitiv fühlen abweichen... 

Wir können sagen, dass die Zeitbewertung oder die Zeiterfahrung von der Intensität des Bewusstseins und der Lebensspanne abhängt, der erste ist der mehr 'subjektive' und der zweite der mehr 'objektive' Faktor. Dies zeigt uns deutlich die Verflechtung dieser zwei Kräfte - die Subjektivierung und die Objektivierung - in jedem Lebensaspekt."  

 Die beiden abschliessenden Lieder beschreiben ein wenig diese beiden Aspekte, 
der "Sonnengruss" den subjektiven, "Nur geliehen" den objektiven Faktor:

Lieder 3 & 4:

Sonnengruss

Nur geliehen

Ergänzend dazu siehe auch meine "Satipatthana-Notiz Nr. 24":

Besinnungen

Informationen, Texte, Bilder, Lieder, usw. für Teilnehmende und Interessierte an meinen Angeboten unter BEGEGNUNG - MEDITATION - LIEDER .  E...