Ich zitiere einen Text aus dem Buch von Tobias Haberl:
"UNTER HEIDEN - Warum ich trotzdem Christ bleibe" (2024)
Tobias Haberl schreibt (auf Seite 62) zum Beten: "Wer betet, ändert nicht die Wirklichkeit, sondern sein Verhältnis zu ihr. Die Welt bleibt die gleiche, man selbst wird ein anderer."
Dann zitiert er seinerseits eine schöne Passage aus Michael Endes Roman Momo, die, wie er sagt, beschreibt, was beim Beten passiert. Ich finde das ebenfalls ein sehr grundlegendes Verständnis des Betens und gebe dies hier gerne weiter:
"Was die kleine Momo konnte wie kein anderer, das war: zuhören. Das ist doch nichts Besonderes, wird nun vielleicht mancher Leser sagen, zuhören kann doch jeder. Aber das ist ein Irrtum. Wirklich zuhören können nur ganz wenige Menschen. Und so wie Momo sich aufs Zuhören verstand, war es ganz und gar einmalig. Dabei schaute sie den anderen mit ihren grossen, dunklen Augen an, und der Betreffende fühlte, wie ihm auf einmal Gedanken auftauchten, von denen er nie geahnt hatte, dass sie in ihm steckten. Sie konnte so zuhören, dass ratlose oder unentschlossene Leute auf einmal ganz genau wussten, was sie wollten. Oder dass Schüchterne sich plötzlich frei und mutig fühlten. Oder dass Unglückliche und Bedrückte zuversichtlich und froh wurden. Und wenn jemand meinte, sein Leben sei ganz verfehlt und bedeutungslos und er selbst nur irgendeiner unter Millionen, einer, auf den es überhaupt nicht ankommt und der ebenso schnell ersetzt werden kann wie ein kaputter Topf - und er ging hin und erzählte alles der kleinen Momo, dann wurde ihm, noch während er redete, auf geheimnisvolle Weise klar, dass er sich gründlich irrte, dass es ihn, genauso wie er war, unter allen Menschen nur ein einziges Mal gab und dass er deshalb auf seine besondere Art für die Welt wichtig war. So konnte Momo zuhören!"
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