Freitag, 2. Januar 2026

Besinnungen


Informationen, Texte, Bilder, Lieder, usw. für Teilnehmende und Interessierte an meinen Angeboten unter BEGEGNUNG - MEDITATION - LIEDER

Ein kurzer Exkurs:

Das Paliwort Sati wird meist mit Achtsamkeit übersetzt. Ein früher Übersetzer ins Deutsche, Nyanatiloka, übersetzte und erläuterte (1910) die beiden im Palikanon oft als Doppelbegriff erscheinenden Begriffe sati-sampajannam mit Besinnung und Wissensklarheit:

Welcher Mensch gilt als "der Besinnung gewärtig", und was ist da "Besinnung" (sati)?

Was da Nachsinnen ist, ins Gedächtnis zurückrufen, Erinnerung, im Gedächtnis bewahren, Gründlichkeit, Nichtvergesslichkeit: das nennt man Besinnung. Der mit dieser Besinnung ausgerüstete Mensch aber gilt als der Besinnung gewärtig.

Welcher Mensch gilt als "wissensklar", und was ist da "Wissensklar-heit" (sampajannam)?

Die Weisheit, die da Forschen ist, Erforschen, Ergründen der Wahrheit, Beobachtung, Unterscheidung, Beurteilung, Aufgeklärtheit, Geschicklichkeit, Scharfsinn, Gewissheit, Überlegung, Untersuchung, umfassendes Wissen, Klugheit, Klarblick, Fähigkeit der Einsicht, Unverblendung, rechte Erkenntnis: das nennt man Wissensklarheit. Der mit dieser Wissensklarheit ausgerüstete Mensch aber gilt als wissensklar.

In diesem Sinne nenne ich zwei meiner Angebote Besinnungssonntag und Besinnungswoche sowie diesen Blog hier Besinnungsforum, enthaltend meine "Besinnungen" (Posts) für "Besonnene" ("der Besinnung gewärtigen").

Das BESINNUNGSFORUM ist öffentlich. Wenn du gerne automatisch über neue Posts informiert werden möchtest, dann teile mir dies mit und du erhältst eine Einladung, die du bestätigen kannst. 

Ein Tipp: Bevor du dich den vielfältigen Themen hier und meinen weiteren Blogs zuwendest, macht es vielleicht Sinn, wenn du zuerst die beiden Posts Mein spiritueller Weg und Buchempfehlungen sowie meinen Stube-Brief liest, da siehst du dann schon mal, in welchen Gefilden ich mich spirituell bewege und was dich in etwa erwartet bei der Lektüre (dürfte zum Verständnis meiner Texte hilfreich sein, wie auch für deine Entscheidung, hier weiterzulesen oder doch eher nicht). 

Meine Themen-Blogs:


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BESINNUNGSFORUM




































 






Häbs gäbig u läbig!
Ueli


Donnerstag, 1. Januar 2026

Zeit

 
 
Lieder 1 & 2:

ICH BIN
 
Ewigkind
 
Begegnung: "Zeit"

Dazu ein Gedicht aus meinem Lyrik-Band "Suriya Namaskar - Sonnengruss":

 
Für philosophisch Interessierte zitiere ich ein paar Aussagen aus dem Buch "Abhidhamma-Studien - Die buddhistische Erforschung des Bewusstseins und der Zeit" von Nyanaponika.

Im Buch werden fünf Bedeutungen von "Zeit" unterschieden, ich gehe hier nur kurz auf die beiden von mir im obigen Gedicht mit den (griechischen) Begriffen KAIROS und CHRONOS benannten ein. Die erste buddhistische Bedeutung entspricht also dem Begriff "Chronos". Dieser bezeichnet die chronologische Zeit, die "Dauer" eines Ereignisses (das einen Anfang und ein Ende hat): 

"... Wir können nicht das angeben, was man absolute Zeitpunkte nennen kann, sondern nur Zeitpunkte, die durch Ereignisse bestimmt werden. Wir können nicht auf die Zeit selbst zeigen, sondern nur auf ein Ereignis, das zu dieser Zeit geschah." (Bertrand Russel) 

"Chronologische Zeit, die durch dieses oder jenes Ereignis gekennzeichnet wird, ist nur ein konventioneller Ausdruck. Da sie keine eigene Realität hat (d.h., dass sie in der Realität nicht gefunden werden kann), muss man sie als reines Konzept verstehen." (aus einem Kommentar zum Dhammasangani)

Der von mir im Gedicht verwendete Begriff KAIROS wird buddhistisch "khana" genannt,  Nyanaponika schreibt dazu: 

"Der rechte Moment (khana) bezieht sich nur auf das heilsame Bewusstsein. Er bedeutet die rechte Gelegenheit für weitere heilsame Aktivitäten, für die der gegenwärtige heilsame Bewusstseinsmoment sie befähigt, sie zu induzieren, zu unterstützen und deren Startpunkt er ist. Ob dieser 'rechte Moment' richtig genutzt wird, hängt von der Bewusstheit dieser Gelegenheit ab; wenn diese Bewusstheit abwesend ist, gehen die dem Moment innewohnenden Möglichkeiten verloren."
 
Für uns sind folgende grundsätzliche Aussagen zur Zeit ganz konkret erlebbar:

"Im Allgemeinen kann Zeit nur als bewusstes Erfahren von ihr begriffen werden. Dieser subjektive oder besser psychologische Charakter der Zeit wird besonders deutlich, wenn die Zeit entweder sehr langsam oder sehr schnell zu vergehen scheint: langsam in einem geistigen Zustand von Langeweile oder Erwartung, schnell bei interessanter Aktivität oder meditativer Vertiefung."  

Anlässlich meiner ersten Teilnahme an einem intensiven Meditationsretreat (1981) hatte ich so ein Erlebnis mit extrem intensivierter Zeitwahrnehmung. In meiner spirituellen Autobiografie "Die Schwelle" beschreibe ich dies so: 

"Da war zuerst eine Wahrnehmung - ich hatte die Augen so halb offen - das war eine lustige Wahrnehmung, die ist mir eingefahren: Da kam eine Fliege in mein Gesichtsfeld, von der rechten Seite her, und ich habe da zugeschaut. Ich konnte die Flügelschläge sehen! Also, die ist vorbeigeflogen, wie wenn ich einen Film in Zeitlupe gesehen hätte. Ich habe das Gefühl gehabt, das habe mehrere Minuten gedauert, bis sie dann aus meinem Wahrnehmungs-bereich, meinem Blickfeld, auf der linken Seite verschwunden ist. Das war irgendwie lustig, und auch seltsam."

"Andere Beispiele des entscheidenden Einflusses des psychologischen Faktors bei der Zeiterfahrung ist die Zeitkontraktion in Träumen als auch der blitzartige Rückblick auf das gesamte Leben, wenn man dem Tod gegenübersteht. 
Es ist auch klar erkennbar, dass es eine unterschiedliche Zeiterfahrung und Zeitbewertung im Leben einer Eintagsfliege, eines Hundes, eines Menschen und einer zweihundert Jahre alten Schildkröte gibt. Für ein Insektenleben, das nur einen Tag währt, wird der Morgen, der Mittag und der Abend eines Tages dieselbe Signifikanz haben wie die Kindheit, die Reifephase und das Alter für uns. 
Jede Kreatur wird am Ende ihrer Lebensspanne fühlen, dass sie ein volles Leben gelebt hat, unabhängig von der Zahl der hypothetisch 'objektiven' Zeiteinheiten. William James sagt:

Wir haben allen Grund anzunehmen, dass die Lebewesen vermutlich enorm in der Dauer, die sie intuitiv fühlen abweichen... 

Wir können sagen, dass die Zeitbewertung oder die Zeiterfahrung von der Intensität des Bewusstseins und der Lebensspanne abhängt, der erste ist der mehr 'subjektive' und der zweite der mehr 'objektive' Faktor. Dies zeigt uns deutlich die Verflechtung dieser zwei Kräfte - die Subjektivierung und die Objektivierung - in jedem Lebensaspekt."  

 Die beiden abschliessenden Lieder beschreiben ein wenig diese beiden Aspekte, 
der "Sonnengruss" den subjektiven, "Nur geliehen" den objektiven Faktor:

Lieder 3 & 4:

Sonnengruss

Nur geliehen

Ergänzend dazu siehe auch meine "Satipatthana-Notiz Nr. 24":

Nicht bewerten?

 

 
Lieder 1 & 2:

Zwe Herre?

I trinke schtiu es Tee

Begegnung: "Bewerten"

Im Kontext der Achtsamkeits-Übung gilt das "Bewerten" als eine Funktion des Gefühls und, wie ein Meditationslehrer sagte: Kein Gefühl ist es nicht wert achtsam erlebt zu werden." Das Gefühl "bewertet" unser Erleben als angenehm, unangenehm oder neutral. Die Gefühle, also die Gefühlsbewertung unseres Erlebens frei fliessen zu lassen, ist ein wesentlicher und wichtiger Aspekt unserer körperlich-seelisch-geistigen Gesundheit.

Wenn wir diese Form des Bewertens ablehnen und unterdrücken, dann lehnen wir unser Fühlen ab und unterdrücken es. Erst diese Ablehnung und Unterdrückung ist die nicht hilfreiche Form des "Bewertens", die wir - wenn möglich - vermeiden und überwinden sollten. Im Kontext unserer Übung stellt dies bereits eine "Reaktion" auf das Gefühl dar.

Es ist also sehr hilfreich, die klarbewusste Unterscheidung zwischen "Gefühl" und "Reaktion" einzuüben, um einerseits das Gefühlserleben nicht zu unterdrücken und andererseits nicht hilfreiche emotionale Reaktionen (Geisteszustände) zu vermeiden und zu überwinden, sowie hilfreiche Geisteszustände zu entfalten und aufrecht-zuerhalten. 

Zum Thema hier zwei "Satipatthana-Notizen":

Lieder 3 & 4:

Ds Härz lääre

Nur geliehen

> Zu den Besinnungsliedern (Texte)

Von der Abgeschiedenheit

 
Der Titel sowie die zweite und die letzte Seite sind dem buddhistischen Palikanon entnommen,
der ausführliche Text beinhaltet Meister Eckharts Predigt "Von der Abgeschiedenheit".
1986 ist mir die Verwandtschaft zwischen den beiden Sichtweisen erstmals aufgefallen 
und ich habe damals dieses Büchlein hergestellt und an mein Umfeld weitergereicht.
Für mich auch heute - 40 Jahre später - immer noch und immer wieder inspirierend: 


























Ikone

 


Glaube & Pluralität


Vor wenigen Tagen bin ich auf der Suche nach einem „reformierten Credo“ auf diese Broschüre der Reformierten Kirchen Bern Jura Solothurn gestossen:

Christlicher Glaube und Pluralität in reformierter Perspektive (Mai 2024)

Zwei Mal habe ich das ganze durchgelesen (plus das Zusatzdokument Praxispapier Pluralität) –  und mir meine Gedanken dazu gemacht. Ich gehe hier kurz auf zwei Punkte ein, die mir Mühe machen:

23.(b) Christenmenschen glauben, dass Gott sich in Jesus Christus ganz und ohne Vorbehalt offenbart hat und es deshalb keine Wahrheit über Gott und die Welt abseits von Christus gibt.

Das glaube ich nicht. Bin ich somit kein „Christenmensch“? Ich glaube aufgrund meines persönlichen Lebensweges, dass sowohl der Christus wie auch der Buddha „die Wahrheit“ erkannt und gelebt und – auf ihre je ganz unterschiedliche Weise – auf sie hingewiesen haben. „Die Wahrheit über Gott und die Welt“ kann einem Menschen also durchaus „abseits von Christus“ (ebenso selbstverständlich auch „abseits von Buddha“) offenbar und von ihm gelebt werden.

Dies impliziert keineswegs, dass Christenmenschen und christliche Kirchen über eine absolute religiöse Wahrheit verfügen würden. Im Gegenteil, dass die Wahrheit allein bei Christus ist, relativiert alle menschlichen Absolutheits-ansprüche und leitet dazu an, Wahrheit nicht als Besitz einer Gruppe in Anspruch zu nehmen, sondern als Geschenk zu erhoffen, das Gott für alle bereithält.

Ein eklatanter Widerspruch: Es ist allein die „Gruppe der Christenmenschen“ die Christus als die alleinige Wahrheit proklamiert, sie also „exklusiv besitzt“. Der Buddhist (beispielsweise) braucht Christus nicht, er kommt ohne ihn zur „Realisation der Wahrheit“. Laut der vorliegenden Broschüre muss also ein Mensch, der an die „Wahrheit abseits von Christus“ glaubt, dem Irrtum (oder Schlimmerem…) verfallen sein, und es bleibt nur zu hoffen, dass er diesen Irrtum eines Tages einsieht und den Christus, das „Geschenk, das Gott für alle bereithält“ annimmt…

24. Christenmenschen sind auch vorsichtig mit vorschnellen Behauptungen über eine wie auch immer beschaffene Einheit der Religionen. Dies gilt sowohl für die verbreitete Auffassung, dass doch «alle an denselben Gott glauben» würden, als auch für religionsphilosophische Entwürfe wie die pluralistische Theologie der Religionen. In beiden Fällen wird den real existierenden Religionen von aussen ein Einheitsmodell übergestülpt, statt aus den unter-schiedlichen Perspektiven nach Gemeinsamem und Verbindendem zu suchen.

2009 habe ich für unsere Gruppe in den Notizen 5 das Thema „Heilsexklusivismus, -relativismus und -inklusivismus“ behandelt. Damals habe ich mich zum Heilsinkusivismus bekannt. Inzwischen ist mir der vierte Begriff des Heilspluralismus (oder die „Pluralistische Theologie“) begegnet und ich erkenne meine eigene Erfahrung nun klar in dieser Ausprägung. Im „Heilspluralismus“ geht es nicht um eine „Einheitsreligion“, sondern schlicht darum, dass das Heil (die Erlösung aus „Sünde“, Leiden und Tod) nicht von einem exklusiven Glaubensbekenntnis abhängig ist. 

Hier dazu zwei Beiträge der „Herder Korrespondenz“: Zum Begründer der "pluralistischen Theologie" John Hick und zu Raimon Panikkar, der meinem Verständnis am nächsten steht, da er (wie ich auch) eine zweifache (christliche und buddhistische) Initiation erlebt hat. „Der Wind bläst, wo er will, und du hörst sein Sausen wohl; aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er fährt. So ist ein jeder, der aus dem Geist geboren ist.“ (Joh 3,8).

Wer kann einem nicht-christusgläubigen Menschen die Erlösungsmöglichkeit „abseits von Jesus Christus“ absprechen? Ich jedenfalls würde mir das niemals anmassen, auch nicht die Erlösungsmöglichkeit abseits von Religion überhaupt.

Siehe beispielsweise Römer 2,14: 
„Wenn Heiden, die das Gesetz nicht haben, doch von Natur aus tun, was das Gesetz fordert, so sind sie, obwohl sie das Gesetz nicht haben, sich selbst Gesetz.“
Im Palikanon existiert dazu der Begriff des „Pacceka Buddha“: 
„So nennt man einen, der, ohne in seinem Leben jemals die Lehre von Anderen gehört zu haben, diese aus sich selber heraus erkannt und verwirklicht hat, aber nicht die Fähigkeit besitzt, sie in klarer Weise darzulegen und so der Menschheit ein Führer zu werden.“

Bibel:
„Der Buchstabe tötet, der Geist macht lebendig.“ (2. Kor 3,6)
„Das Reich Gottes besteht nicht in Worten, sondern in Kraft.“ (1. Kor 4.20)
Palikanon:
„Die Wesen, die nur terminologisch wahrnehmen und erlebnismässig die Terminologie nicht durchdringen, gehen unter dem Joch des Todes.“ (Itivuttaka III,2)

Im Praxispapier Pluralität lese ich die folgenden positiven Aussagen, die mich ermutigen:

Unter „Gottesdienste“:
- Die Vielfalt der Religionen und Weltanschauungen kann auch in der Musik thematisiert werden.
Unter „Bildungsangebote“:
- Beleuchten Sie in Ihren Bildungsangeboten Themen wie Schöpfung, Gebet, Tod und Jenseits auch aus einer ökumenischen und interreligiösen Perspektive.
- Nehmen Sie in Ihrer Bildungsarbeit Ökumene und Interreligiosität als eigene Themen auf.

Ja, dies ist meine Herausforderung und auch das, was ich beitragen kann in unserer Reformierten Kirche.

UK


Was ist Religion?


 
Lieder (Texte siehe Besinnungslieder):

Glaubensbekenntnis

Brueder Franziskus

Chrischtus u Buddha
 
Die ältesten Quellen führen religio zurück auf das Verb relegere, "bedenken, achtgeben, beachten", in diesem Sinn wurde es auch im Latein der Römischen Republik benutzt. Etwa 350 Jahre später bezog der christliche Kirchenvater Lactantius religio auf das Verb religare, "anbinden, zurückbinden". Religion kann in diesem Sinne verstanden werden als "achtsame Anbindung" an eine zeitlose (anfangs- und endlose) Dimension. 

Ohne Anfang und ohne Ende ist im christlichen Verständnis "Gott", im buddhistischen Verständnis "Nirvana". Wer sich nicht ausschliesslich mit seiner individuellen, zeitlichen Existenz identifiziert, sondern sich auf ein "Ewiges" ausrichtet - d.h. vom "Ewigen" her und auf dieses hin lebt - gilt als ein "religiöser Mensch". Als ein Leben "in der Welt, doch nicht von der Welt" hat Christus ein solches Leben benannt

Die Realisation dieser "Ewigkeit" (Bibel) oder "Todlosigkeit" (Palikanon) findet in dieser zeitlichen Existenz statt und ist nicht erst ein "nachtodliches" Geschehen: "Das Reich Gottes ist inwendig in euch", sagt Christus, und Buddha nennt das konkrete Erlöschen von Gier, Hass und Verblendung in einem Menschen das "sichtbare Nirvana" (s. auch: Höchstes Dasein & Reich Gottes).
 
Als erste Bedingung für das Erleben des Reiches Gottes in mir fordert Christus die "Selbstverleugnung", und Buddha vollzieht und lehrt diese in radikaler Weise in Form seiner "Nicht-Ich" (anatta-) Lehre. Die Egozentriertheit überwinden und loslassen. Einsehen, dass "Ich" nicht das autonome, unabhängige Zentrum der Existenz bin, das ist der Anfang der "Selbstverleugnung" und der "Nicht-Ich-Einsicht", damit beginnt das "Erwachen" aus dem Traum selbstbezogener Illusion und Verblendung. 

Wo das "Ich" kleiner wird, kann das "Du" Raum gewinnen: "Nicht was ich will, was Du willst", sagt Christus in - und trotz - aller Bedrängnis in Getsehmane zu seinem "Vater", dem "ewigen Du" (Martin Buber). Wo das Du Raum gewinnt, sei es das ewige göttliche oder ein zeitliches menschliches, da ist Liebe, da ist die Gier und Hass überwindende wahre, "göttliche" Liebe.

"Wer liebt, ist aus Gott geboren und kennt Gott", schreibt der Apostel Johannes. Er erlebt das "Reich Gottes in sich", denn, wie Paulus sagt: "Das Reich Gottes besteht nicht in Worten, sondern in Kraft", und die Kraft Gottes, ja er selber, ist - wie Johannes auch sagt - die Liebe. Und eben diese göttliche Liebe ist "stärker als der Tod". Deshalb kann das "Reich Gottes in mir" das Ende meiner zeitlichen Existenz überdauern. 

Ebendies lehrt auch der Buddha als das Ergebnis authentisch gelebter gierfreier und hassloser Liebe (metta): Wer in dieser Liebe lebt, weilt im "Brahmahimmel", in einem "göttlichen Bewusstseinszustand" (brahma-vihara), also im "Reich Gottes" ("Brahma" ist der Name des Schöpfergottes in den indischen Religionen). Er wird die irdische Existenz überdauern und nicht mehr zu dieser zurückkehren (nicht mehr in diese leid- und todunterworfene Welt "wiedergeboren" werden). 

Die Ichzentriertheit (den Egoismus, die Selbstsucht) durch die Orientierung auf das Du überwinden (Paulus: "Überwinde das Böse durch das Gute") und durch die Kraft der göttlichen Liebe (Agape; buddhistisch: metta) Gier und Hass im eigenen Herzen erlöschen lassen, das ist das Wirken von "Religion", das ist Kennzeichen eines "religiösen Menschen" im besten und wahren Sinn des Wortes. 

Und so hätte wohl eine Begegnung der zwei im vorliegenden Text erwähnten "wahren Menschen" - dem "Gesalbten" (Christus) und dem "Erwachten" (Buddha) - ausgesehen:


Eins ist die Wahrheit, 
nicht gibts eine zweite. 
(Buddha)

Ihr werdet die Wahrheit erkennen, 
und die Wahrheit wird euch frei machen. 
(Christus)
  
...und so könnten Nichterkennen der Wahrheit,
Unfreiheit und Gefangenschaft aussehen:
  
Lieder (Texte siehe Besinnungslieder):

Liebi (II)

I weiss itz wär Liebi isch

Liebi (I)

Besinnungen

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